Praxis-Interview: “Wir behandeln die DSGVO wie jede andere technische Norm”

Heute im Interview: Monika Hofmann-Rösener, Marketingleitung bei der Wölfel-Gruppe. Das mittelständische Unternehmen aus Höchberg nahe Würzburg ist ein Anbieter branchenübergreifender Ingenieur- und Systemlösungen rund um die Kompetenzfelder Schwingungen, Strukturmechanik, Akustik und Immissionsschutz.

 

 

 

Wie bewältigt Wölfel als kleinerer Mittelständler die DSGVO?

Weniger panisch, als man sich das vorstellen würde. Da wir bereits ein Jahr vor der „Scharfschaltung“ mit unserem Adaptionsprojekt begonnen hatten, konnten wir der Deadline ziemlich entspannt entgegenschauen. Intern wurde das Projekt gemeinsam von der Geschäftsleitung und dem Marketing getrieben unter maßgeblicher Beteiligung eines externen Datenschutzbeauftragten.

 

Die niedersächsische Landesbehörde für Datenschutz hat kürzlich erstmals 50 Unternehmen angeschrieben mit der Anordnung, einen Fragenkatalog zu ihrem Datenschutz zu beantworten. Diesen gehen nun auch wir durch und behandeln sie wie ein amtliches Audit, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

 

Allerdings wirkt sich die DSGVO bei uns nicht nur auf das Marketing aus: Bei einigen unserer Services und Produkte, beispielsweise der Schallmessung, können ebenfalls personenbezogene Daten anfallen. Das nahmen wir zum Anlass, die Anforderungen der DSGVO generell in unser Qualitätsmanagement aufzunehmen. Wir behandeln sie damit wie jede andere Norm / Zertifizierung aus dem technischen Bereich.

 

 

Wie wirkt sich die DSGVO sonst auf das tägliche Arbeiten aus?

Es gibt einige Unklarheiten bei Mitarbeitern, die mit dem Datenschutz bisher nicht viel zu tun hatten. Wie geht man mit einer Visitenkarte um, die man auf einer Veranstaltung zugesteckt bekommt? Für diese Fälle haben wir eine DSGVO-FAQ in unserem Intranet eingerichtet und bringen den Mitarbeitern Konzepte wie „Clean Desk“ näher.

 

 

Welche Marketing-Kanäle nutzen Sie primär zur Vermarktung Ihrer Engineering-Produkte?

Eines unserer Standbeine ist das E-Mail-Marketing auf Grundlage unserer eigenen Datenbank. Daneben machen wir viele eigene Veranstaltungen: Einerseits ein Seminarprogramm, um Kunden im Umgang mit Software oder Produkten zu schulen. Andererseits veranstalten wir den sogenannten „Wölfel Dialog“, wo wir uns ganz Produkt-unabhängig einem Thema aus einem unserer Anwendungsbereiche widmen. Wir laden dann zum Beispiel zum Thema „Bauen im innerstädtischen Bereich“ Referenten von Behörden und Rechtsanwälte ein. Dieses inhaltliche Konzept zahlt sich aus, die Teilnehmerzahlen steigen von Event zu Event.

 

Als B2B-Unternehmen betreiben wir natürlich auch viel Messemarketing. Bei thematisch zu 100 Prozent passenden Messen tun wir das ganz klassisch mit einem Stand. Auf weniger passenden Messen sparen wir uns den allerdings, genauso wie auf der Hannover Messe, wo wir als kleiner Mittelständler nicht genügend Aufmerksamkeit bekämen. Dort gehen wir zusammen mit unseren Ingenieuren zu Ausstellern passender Anwendungsgebiete, tauschen uns fachlich aus und stellen so erste Kontakte her.

 

Dieser Perspektivwechsel führt meist zu produktiveren Gesprächen, als wenn wir nur am Stand warten würden. Und für das Marketing ist das eine einzigartige Gelegenheit, bessere Buyer Personas zu erstellen.

 

Diese analoge Leadgenerierung stützen wir digital mit Lead-Kampagnen bei der Vogel Communications Group mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen.

 

 

Wie verändert sich Ihr B2B-Marketing aktuell sonst im Allgemeinen? 

In Würzburg haben wir eine Fachhochschule, die in Sachen digitales Marketing sehr gut aufgestellt ist. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, einzelne Punkte unseres Marketings von Werkstudentinnen weiterentwickeln zu lassen. Ein Projekt befasste sich beispielweise mit einer Zielgruppenstudie im Anlagen- und Maschinenbau, das mit einigen Klischeevorstellungen aufgeräumt hat. Auch haben wir viel über effektive digitale Marketingkanäle gelernt. Ein zweites Projekt einer Studentin optimiert aktuell unser E-Mail-Marketing entlang gewisser Kennzahlen.

 

Letztlich müssen sich auch Mittelständler klar werden: Der Großteil des Kaufprozesses findet ohne direkten Kontakt zu einem Unternehmensvertreter statt. Man kann heute nicht mehr nur Verkaufsförderung im Marketing betreiben und ein paar Broschüren basteln. Wir werden deshalb Schritt für Schritt mehr solcher Projekte umsetzen. Im Mittelpunkt wird dabei vor allem die Webseite stehen: B2B-Suchmaschinenoptimierung, Usability und Conversion.

 

Dennoch empfehle ich, nicht blindlings digitale Optimierungstools und Agenturleistungen zu kaufen. Wir definieren erst konkrete Ziele für einzelne Bereiche und legen dann los. Nicht überall funktioniert beispielsweise Content Marketing in Form eines Blogs.

 

Auch die Automatisierung wird bei uns eine immer größere Rolle spielen, vor allem, weil wir mit unserer Mannschaft die benötigte Vielfalt im Marketing angesichts unzähliger Anwendungsgebiete unserer Produkte gar nicht manuell abbilden können.

 

 

Was sind die Erfolgsrezepte, um als Magistra der Germanistik in einer von Technik geprägten Männer-Domäne seine Marketing-Frau zu stehen?

Zunächst einmal habe ich viel Glück mit meinem Unternehmen. Was wir die letzten beiden Jahre an Innovationen in der Kommunikation umsetzen konnten, hätte ich so anfangs nicht erwartet. Das hat viel mit Offenheit seitens der Geschäftsleitung und der technischen Bereiche zu tun, die hier einfach vorbildlich ist. So haben wir in die häufig betont seriöse Kommunikation eines Technik-Unternehmens Stück für Stück emotionale Elemente eingebaut. Positive Feedbacks aus dem Markt haben bei der Akzeptanz zusätzlich geholfen: Wir werden nicht mehr nur als Experten, sondern als „sympathische“ Experten wahrgenommen.

Letztlich rate ich jedem, die Menschen mit seinen Ideen immer an genau der Stelle abzuholen, wo sie sind – und auf Gegenseitigkeit zu setzen. Als studierte Germanistin bin ich immer auf die fachlich-technische Perspektive der Ingenieure angewiesen – sie sind immer sehr nachsichtig mit mir – das ergänzt sich gegenseitig und führt zu nachhaltigem Erfolg für alle.

 

Danke für das Interview.


 

DanielFurth

Daniel Furth ist seit 2013 im digitalen Marketing unterwegs und hat im Studium als Reporter gearbeitet. Heute verbindet er die Leidenschaft für gute Inhalte und digitales Marketing bei der Vogel Communications Group und ist stets auf der Suche nach Beispielen für gutes B2B-Marketing. Themen-Einreichungen per Mail sind herzlich willkommen:...