Gute B2B-Printwerbung: 4 Beispiele mit Aktivierungspotential

Reden wir nicht darüber, dass Print seit zirka 1996 der baldige Tod attestiert wird – seit über 20 Jahren ist der vermeintliche Zombie nicht totzukriegen. Schauen wir uns lieber an, welche gut gemachten B2B-Printanzeigen die Vogel-Kunden 2017 in unseren Fachzeitschriften platziert haben.

 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Printwerbung-Beispiel 1: die perfekte Metapher als Visual

 

Beispiel für eine gelungene Printanzeige von Garant.Bild: Garant

 

Kaum ein anderes industrielles Werkzeug ist ähnlichen Belastungen ausgesetzt wie Schneidstoffe. Beim Zerspanungsvorgang wirken sagenhafte physikalische Kräfte, insbesondere Hitze und Druck. Besonders atemberaubendes Bildmaterial geben Schneidwerkzeuge selbst aber nicht her – was liegt also näher, als die Thematik auf die Natur zu übertragen?

 

Die Werkzeugmarke Garant hat sich für den “Fels in der Brandung” entschieden. Eine perfekte Wahl. Die Metapher des Felsen als Sicherheit und Standhaftigkeit geht bereits auf die Bibel zurück (Mt 16,18), wurde uns in moderneren Zeiten als Werbeslogan einer Versicherung in die Köpfe gebrannt und findet weithin in der Alltagssprache Verwendung. Das sorgt für ein schnelles Verständnis der Produkteigenschaften.

 

Keine Text-Bild-Schere

Doch die Printanzeige verbindet nicht nur Produkteigenschaften mit bekannten Metaphern und einem schönen Bild. Auch der Anzeigenslogan ist kein plumpes Werbeversprechen, sondern rundet die Werbung perfekt ab:

 

“Jahrmillionen haben gezeigt, dass sich nur die Härtesten durchsetzen. Kürzen Sie diese Erkenntnis bei Schneidstoffen ab.”

 

Hier wird ganz eindeutig ein konkreter Schmerzpunkt potentieller Kunden adressiert. Nichts ist ärgerlicher, als eine falsche Investitionsentscheidung, zum Beispiel Schneidstoffe, die zu schnell abnutzen. Kleiner Wermutstropfen: Der Fließtext weiter unten geht nicht darauf ein, warum Garant-Schneidstoffe besonders hart sind, sondern erklärt, dass man neben Schneidstoffen auch viele andere Werkzeuge im Angebot hat.

 

Alles in allem ist diese Printwerbung aber sehr gut konzipiert, um die erste Aufmerksamkeit zu erhaschen und die Marke mit dem Thema zu verbinden – und mehr sollte man im ersten Schritt auch nicht von Printanzeigen erwarten.

 

 

Zusammenfassung: Was macht diese Printanzeige besonders gut?

  • Nutzung eines Visuals, das nicht nur aus der Masse der eher technischen Bilder in Fachzeitschriften heraus sticht, sondern gleichsam an vertraute Metaphern anknüpft. So lässt sich die Aussage der Anzeige in Millisekundenschnelle erfassen.
  • Der Anzeigenslogan verknüpft diese Metapher perfekt mit den Schmerzpunkten potentieller Kunden und dem Produktnutzen.

 

Diese Anzeige erschien in unserer Fachzeitschrift MM Maschinenmarkt, Ausgabe 49 / 2017, Seite 31.

 

 

Printwerbung-Beispiel 2: der perfekte Eye-Catcher als Anzeigenmagnet

 

Beispiel für eine gelungene Printanzeige von Turck.

Bild: Turck

 

 

Rund um wichtige Industriemessen ist es üblich, dass Unternehmen kleine Störer auf ihren Anzeigen platzieren, um ihren Stand zu bewerben. Häufig gehen diese aber neben der eigentlichen Aussage der Printanzeigen, die nicht selten überladen sind, unter. Einen genialen und vor allem auffälligen Weg geht das Unternehmen Turck durch ein Upgrade seiner Printanzeige: Ein Pseudo-Post-It in Handschrift verweist auf den Turck-Stand auf der SPS IPC Drives.

 

Das ist auf der einen Seite natürlich ein super auffälliger Störer. Der mündige Leser allgemeiner Medien würde aber wohl schnell darauf schließen, dass dies kein Hinweis einer echten Person ist. Anders ist das aber im Falle einer Fachzeitschrift, und hier kommt die Genialität dieses Störers ins Spiel. In der Regel wandern Fachzeitschriften durch verschiedene Abteilungen eines Unternehmens. Deshalb werden Gewohnheitsleser von Fachtiteln ein paar Sekunden länger darüber nachdenken, ob diese Notiz nicht tatsächlich von den Kollegen aus der Nachbarabteilung kommt – und damit hat die Anzeige schon gewonnen.

 

Auch sonst weiß die Anzeige zu überzeugen: Mit dem Slogan “Industrie-4.0-Generator!” greift sie das aktuell wichtigste Thema der Industrie auf und verspricht gleichzeitig mit dem Begriff “Generator” eine einfach Lösung. Weiter unten wird der ziemlich plakative Slogan dann mit technischen und produktspezifischen Begriffen angereichert, die die Konnektivitätsexpertise von Turck herausstellen. Weiterer Pluspunkt: Die Printwerbung schickt den potentiellen Kunden nicht auf eine zusammenhanglose Startseite des Unternehmens, sondern auf eine spezielle Landingpage für RFID-Lösungen. Das steigert den Transfer von der Print-Ansicht zum Vertriebslead ungemein.

 

Die Mehrkosten für einen solchen aufgeklebten Störer betragen übrigens laut Liste rund 25 % des eigentlichen Anzeigenpreises.

 

 

Zusammenfassung: Was macht diese Printanzeige besonders gut?

  • Die Auswahl des perfekten Störer für das Werbeumfeld in Fachzeitschriften, weil der Störer die Nutzungsgewohnheiten der Leserschaft mitdenkt.
  • Statt auf die Startseite schickt die Printwerbung ihre Leser auf eine thematische Landingpage.
  • Das klare Design konzentriert sich auf eine konkrete Aussage und eine Produktgruppe.

 

Diese Anzeige erschien in unserer Fachzeitschrift Elektrotechnik, Ausgabe 10 / 2017, Seite 11.

 

 

Printwerbung-Beispiel 3: der bewusste Fehler und der subliminale Reiz

 

Beispiel für eine gelungene Printanzeige von Mulco.

Bild: Mulco

 

Diese Anzeige bekommt die volle Aufmerksamkeit eines jeden Pedanten – und, ähem, in der technischen Zielgruppe ist dieser Typus überdurchschnittlich häufig vertreten. Dafür nutzt sie eine klassische Anzeigentechnik, auf die B2B-Marketer allerdings nur selten zurückgreifen: den bewussten Fehler.

 

Der Anzeigentext “Super Sörvice” sticht jedem ins Auge. Dabei hilft die Anzeigengestaltung, die den Text sehr plakativ in den Mittelpunkt rückt. Der Fließtext weiter unten greift etwaige Erfahrungen potentieller Kunden mit falschen “Sörvice”-Versprechen auf und adressiert so den Schmerzpunkt der potentiellen Kundschaft. Als Interessenvereinigung wuchert Mulco anschließend mit der gesammelten Zahnriemenexpertise seiner Unternehmen, mit der auch bei individuellen Antriebskonstruktionen optimaler Service gewährleistet sein soll. So glänzt die Anzeige mit optischer und inhaltlicher Stringenz.

 

 

Unterschwellige Botschaften reizen die Zielgruppe

Spezieller Kniff der Anzeige: Der grüne Hintergrund, der dem Anzeigentext als Aufmerksamkeitsprungbrett dient, ist nicht einfach nur ein Kasten. Am unteren Rand deutet er die Form eines Zahnriemens an und sendet so eine unterschwellige Botschaft an Zahnriemen-affine Zielgruppen. Damit sticht auch diese Printwerbung aus den unzähligen Komponenten-Anzeigen heraus, die nur Produktbilder nutzen und erreicht trotzdem die gewünschte Zielgruppe. Erfahren Sie mehr über subliminale Effekte und wie sie sich auf Handlungen auswirken bei Wikipedia.

 

Ein QR-Code führt schließlich auf eine spezielle Seite, die mehr Informationen zu den Themen Sicherheit, Service, Innovation und dem CAD-Tool von Mulco liefert. Diese vier Bereiche grenzen sich farblich voneinander ab, wobei der Service-Bereich das Grün der Anzeige aufgreift. Das macht dem es Nutzer einfach, schnell die relevante Information zu erkennen.

 

 

Zusammenfassung: Was macht diese Printanzeige besonders gut?

  • Wendet den Klassiker des bewussten Fehlers an, was selten ist im betont fakten-orientierten und seriösen B2B-Umfeld.
  • Nutzt unterschwellige Reize, um die Zielgruppe zu triggern und sich trotzdem optisch von der Konkurrenz abgrenzen zu können.
  • die Landingpage zur Printwerbung überzeugt durch hohe Nutzerfreundlichkeit.

 

Diese Anzeige erschien in unserer Fachzeitschrift Konstruktionspraxis, Ausgabe 11 / 2017, Seite 7.

 

 

Printwerbung-Beispiel 4: der ungewöhnliche Call to Action

Beispiel für eine gelungene Printanzeige von SSI Schäfer.

Bild: SSI Schäfer

 

Die Anzeige von SSI Schäfer ist ein weiteres schönes Beispiel dafür, dass Printwerbung nicht zwanghaft ein Bild braucht. Die Aufmerksamkeit erreicht die Anzeige in diesem Fall durch einen sehr konkreten Call to Action in fetter, sperriger Schrift. Ein solches Design durchbricht die optischen Gewohnheiten einer Fachzeitschrift, in diesem Falle die MM Logistik. Dort ist der prägende Begriff “Logistik” und Bilder von Lagersystemen und Transportmaschinen sind allgegenwärtig.

 

Noch sinnvoller wird der Call-to-Action-Ansatz, wenn man bedenkt, dass die Anzeige in einer Messe-Sonderausgabe sitzt. Denn schließlich geht es auf einer Messe vor allem um gute Gespräche. Darüber hinaus vermittelt die Printanzeige in knackiger Form alle relevanten Inhalte, um die Marke richtig zu positionieren: Logistik, IT, weltweit, 1000 IT-Experten, 24-Stunden-Service – genug, um dem Messestand mal einen Besuch abzustatten.

 

Dass hinter der Anzeige ein inhaltliches Angebot steht, nämlich die Einladung zu einer Expertenrunde, fördert das Aktivierungspotential der Anzeige. Zudem gibt es eine eigene Landingpage, deren URL allerdings etwas unkomplizierter hätte sein dürfen. Geschickt gelöst ist auch die Darstellung des Gesamtportfolios des Konzerns am unteren Rand und die Blickführung zur Telefonnummer in der rechten unteren Ecke. So stellt sich auch die gesamte Printanzeige als Sprechblase dar, was wiederum den Call to Action “Let’s talk” in eine wunderbare gestalterische Klammer setzt.

 

 

Zusammenfassung: Was macht diese Printanzeige besonders gut?

  • Inhaltlich wie optisch bricht die Anzeige völlig aus ihrem Umfeld heraus und vermittelt trotzdem nötige Fachkompetenz.
  • Messe-spezifische Anzeige für ein Messe-Sonderheft – was weniger Unternehmen nutzen, als man denken könnte
  • Design und Inhalt gehen stringent Hand in Hand
  • inhaltliches Angebot (Expertenrunde) stärkt Aktivierungspotential und Kosten-Nutzen-Rechnung der Printwerbung

 

Printanzeigen strategisch und effektiv platzieren

In diesem Artikel haben wir nur A4-Formate vorgestellt. Dabei gibt es noch so viele andere Formate – und die A4 ist nicht immer die effektivste Variante. Multipliziert mit den unendlichen Platzierungsmöglichkeiten zeigt sich die Print-Mediaplanung als komplexes Geschäft. Wir haben deshalb zwei fundierte Whitepaper erstellt, die Ihnen bei der optimalen Anzeigenstrategie helfen:

 

Whitepaper “Die perfekte Anzeigen-Platzierung”

Hierfür haben wir im Rahmen unserer Werbewirkungsforschung über 1400 Anzeigen unterschiedlicher Formate und Platzierungen bezüglich Ihrer Resonanz in der Zielgruppe untersucht. Erfahren Sie hier, ob die A4-Anzeige auf der rechten Seite wirklich immer die beste Idee. >> zum Anzeigen-Whitepaper

 

Whitepaper “Tipps für die crossemediale B2B-Mediaplanung”

Im Mediendschungel den Überblick behalten? Kein Problem! Wir haben eine sehr erfahrene Expertin gebeten, Ihre Erfahrungen an Sie weiterzugeben und Ihnen den effektivsten Weg durch die B2B-Medienlandschaft zu zeigen. >> zum Mediaplanungs-Whitepaper

 

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Daniel Furth

Daniel Furth ist seit 2013 im digitalen Marketing unterwegs und hat im Studium als Reporter gearbeitet. Heute verbindet er die Leidenschaft für gute Inhalte und digitales Marketing bei Vogel Business Media und ist stets auf der Suche nach Beispielen für gutes Industriemarketing. Themen-Einreichungen per Mail sind herzlich willkommen:...
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